Louis de Funès wurde am 31.07.1914 als Louis Germain David de Funès in Courbevoie, einem Vorort von Paris in der rue Carnot 29 geboren.
Seine Eltern, Léonor Soto Reguera (1879-1957) und Carlos Luis de Funès de Galarza (1871-1934), waren 1904 aus Sevilla/Spanien nach Frankreich gekommen, da Léonors Familie mit der Beziehung nicht einverstanden war.
Louis hatte zwei Geschwister: María, geb. 1906, und Carlos (1910-1939, erschossen im 2.Weltkrieg). Sein Vater, eigentlich Rechtsanwalt, durfte diesen Beruf in Frankreich nicht ausüben und verdingte sich mehr schlecht als recht als Diamantenhändler. Louis` Mutter zog die Kinder groß. Sie begann, Louis Klavierunterricht zu geben, als er 5 Jahre alt war. Auch durch ihr Temperament, ihre Wutausbrüche und ihre Begabung, Grimassen zu schneiden, würde sie einen prägenden Einfluss auf Louis und seine weitere Entwicklung haben...
Am Ende des 1. Weltkrieges zog die Familie nach Villiers-sur-Marne. Sie bewohnte ein kleines Haus mit einem Garten, in welchem Louis seine Liebe zur Gärtnerei entdeckte. Von 1920-25 besuchte Louis die Schule in Villiers und anschließend bis zu seinem 16. Lebensjahr das College Jules-Ferry de Coulommiers. Er war ein eher mittelmäßiger Schüler. Bereits in dieser Zeit fiel jedoch sein Talent fürs Zeichnen und Theaterspielen auf, so brillierte Louis in einer Theateraufführung auf einer Schulfeier.
Nachdem die ungeliebte Schule beendet war - die Familie wohnte derweil wieder in Paris im Künstlerviertel Montparnasse - begann Louis auf Anraten seines Bruders – von Beruf Kürschner - ebenfalls mit einer Kürschnerlehre. Ohne eine Neigung zu diesem Beruf zu verspüren, fing Louis die Ausbildung an, musste jedoch nach zwei Jahren abbrechen, nach dem er einen Kanarienvogel gequält hatte. Er fand nochmals eine neue Lehrstelle, aber auch hier musste er nach einem Streich mit Wassereimern gehen.
Beim nächsten Versuch einer Ausbildung zum Fotografen ging ein Scherz mit Knallfröschen schief: Feuer brach aus - und Louis musste gehen.
Es folgten Anläufe als Industriezeichner, Buchhaltungsgehilfe, Schaufensterdekorateur und bei einem Automobilhändler...All das ging nach einiger Zeit wieder schief aufgrund von Missgeschicken, da die Art von Arbeit Louis nicht lag, oder die Firmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten pleite gingen.
1934 wurde Louis überdies nach der Musterung vom Wehrdienst befreit, untauglich wegen zu geringer Größe und zu geringen Gewichts.
1936 begann Louis, als Barpianist zu arbeiten. Er lernte seine erste Frau kennen, Germaine Louise Élodie Carroyer, die er im April dieses Jahres heiratete.
Der gemeinsame Sohn Daniel wurde am 12.07.1937 geboren.
1939 - nach Beginn des 2. Weltkrieges - wurde Louis erneut gemustert. Aufgrund einer Verwechslung der Akten (mit der Folge, dass Louis für schwer krank gehalten wurde), musste er zwar nicht an die Front, jedoch trotzdem bis zur Kapitulation Dienst in einer Kaserne leisten.
Er hielt seine kleine Familie in diesen Jahren mühsam mit seinem nächtlichen Klavierspiel in verschiedenen Bars über Wasser.
1942 beschloss Louis, Schauspieler zu werden und schrieb sich in den „Cours Simon“ bei René Simon ein. Die Aufnahmeprüfung besand er mit einem Stück von Molière, „Fourberies de Scapin“.
In seiner Ehe kriselte es währenddessen zusehends, 1942 wurde Louis geschieden.
Auch den Cours Simon, in dem er sich mit Daniel Gélin anfreundete, beendete er nach einem Jahr wieder. Stattdessen nahm Louis nun Klavierstunden am Konservatorium , wo er bald Jeanne Augustine Barthélemy de Maupassant kennen- und lieben lernte. Ihre Tante, Comtesse de Maupassant, wohnte auf Schloss Clermont, welches in diesen harten Jahren immer wieder ein Ort der Erholung sein würde.
Im April 1943 heirateten Louis und Jeanne; die zwei Söhne wurden 1944 (Patrick) und 1949 (Olivier) geboren.
Im Jahre 1944 traf Louis zufällig seinen Freund Daniel Gélin wieder und bekam durch ihn auch seine erste Rolle vermittelt: im Theaterstück „L’Amant de paille“ von Marc-Gilbert Sauvajon.
1945 folgte, ebenfalls über eine Empfehlung durch Gélin, Louis’ erster Kinofilm, „La tentation de Barbizon“.
Die folgenden Jahre ging es weiter mit kleinen Rollen in unzähligen Filmen, dazu abends das Klavierspiel in Bars.
1952 kam dann sein erster größerer Erfolg: Louis wurde von Robert Dhéry, den er einige Jahre zuvor kennengelernt hatte, für „ Ah! les belles bacchantes“ engagiert. Dem Theaterstück folgt im Jahr darauf der gleichnamige Film und Louis schloss enge Freundschaft mit Robert Dhéry .
Ein weiterer Erfolg wurde 1656 Louis’ Rolle des Metzgers in „La Traversée de Paris“, eigentlich eine kleine Rolle, die Louis mit vollem Einsatz zu einer großen machte.
1957 bekommt Louis de Funès dann in „ Comme un cheveu sur la soupe“ seine erste Hauptrolle. Für diesen Film gewann er auch seinen ersten Preis, den Grand Prix du Rire, im gleichen Jahr.
Es folgte „Ni vu ni connu“, ein Film, für den Louis ebenfalls gelobt wurde.
In diesen Jahren konnte Louis auch immer wieder größere Erfolge am Theater verbuchen, bis hier Ende der 50er Jahre sein endgültiger Durchbruch kam: „Oscar“! Dieses Stück spielte Louis mit riesigem Erfolg auch ab 1961 in Paris.
In der Filmkarriere kam der Durchbruch dann 1963 mit „Pouic-Pouic“, der ersten Zusammenarbeit mit Regisseur Jean Girault (in einem Vorläufer, dem Theaterstück „Sans cérémonie“, hatte Louis übrigens 1952 die Rolle des Dieners übernommen). Dies wurde der Beginn einer langen, erfolgreichen Zusammenarbeit mit Girault.
Mit diesen letzten Rollen hatte Louis de Funès nun einen Charakterstil entwickelt, der ihn fortan erfolgreich durch seine Filme begleitete: die des hektischen, aufbrausenden, jähzornigen kleinen Cholerikers - nach oben buckelnd, nach unten tretend -, der dennoch durch viele Rückschläge immer auch sympathisch bleibt. Privat hingegen galt Louis de Funès eher als stiller und bescheidener Mensch.
Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag: mit „Le Gendarme de Saint-Tropez“, bestbesuchter Film des Jahres 1964 in Frankreich, „Fantômas“, im gleichen Jahr an fünfter Stelle der Filme mit den meisten Zuschauern; 1965 „Le corniaud“ an der Seite Bourvils, welcher ein enger Freund Louis’ wurde. Dieses Duo fand sich 1966 wieder in „La grande vadrouille“, bis heute der erfolgreichste französische Film überhaupt. Den Regisseur, Gérard Oury, hatte Louis selbst 1961, während der Dreharbeiten zu „Le crime ne paie pas“, zu überzeugen versucht, doch ins Komödienfach zu wechseln...
Für seine Darstellung des Gendarmen Cruchot erhielt Louis 1965 den Preis „La Victoire du Cinéma“.
Ab 1965 („Fantômas se déchaîne“) spielte in einigen Filmen Louis’ Sohn Olivier an seiner Seite (später entschied er sich jedoch für eine Laufbahn als Pilot).
Während Louis im ersten Fantomas-Film eine kleinere Rolle neben dem Hauptdarsteller Jean Marais zugedacht war, entwickelte sich nach dem grandiosen Erfolg des Kommissars Juve, Louis’ Figur zum Zugpferd der beiden weiteren Fantomas- Filme.
1967 bekam Louis de Funès für den Film „Les grandes Vacances“ den Prix Georges-Courteline - eine Auszeichnung für Filmhumor. Dieser Film ist auch insofern bemerkenswert, als hier erstmals Claude Gensac Louis’ Ehefrau spielte, eine Rolle, in der sie später noch oft an seiner Seite brillierte.
Im gleichen Jahr kaufte Louis das Schloss Clermont bei Le Cellier, 27 km von Nantes entfernt an der Loire gelegen, und zog mit seiner Familie dorthin. Er wurde Mitglied der „ Gartenfreunde des Königs“, widmete sich intensiv der Gärtnerei, insbesondere seinen Rosen, und achtete sehr darauf, dass die Natur beschützt und die Tiere auf seinen Ländereien nicht gejagt wurden.
(Jahre später wurde - von Meilland - eine orangefarbene „Rose de Louis de Funès“ gezüchtet und ihm gewidmet).
Ebenfalls 1967 waren 3 der 5 meistbesuchten Filme des Jahres in Frankreich Filme mit Louis de Funès, was das betrifft sein erfolgreichstes Jahr. Ein Jahr später wurde er in Frankreich zum beliebtesten Schauspieler des Jahres gewählt.
Für 1971 war ein weiterer Film („La folie des grandeurs“) zusammen mit Oury und Bourvil geplant, da erfuhr Louis während der Dreharbeiten zu „Jo“, dass sein langjähriger guter Freund Bourvil mit 53 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben war. Den geplanten Film wollte Louis nun zunächst nicht mehr drehen, bis die Rede auf Yves Montand als Filmpartner kam, welcher dann Ende des Jahres auch endgültig zusagte. Währenddessen erlebte Louis ab Dezember 1971 die gefeierte Wiederaufführung des Stücks „Oscar“ in Paris.
1973 wurde Louis de Funès zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, eine Auszeichnung, die er aus der Hand seines Freundes Gérard Oury erhielt.
Im gleichen Jahr drehten die beiden ihren letzten gemeinsamen Film, „Les aventures de Rabbi Jacob“ - ein Film, der Louis wegen seiner Kritik an Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz sehr am Herzen lag, und 1975 für den Golden Globe Award nominiert wurde.
Im Anschluß ging es am Theater weiter mit dem Stück „Valse des Toréadors“ von Jean Anouilh. Es war das letzte Stück, welches Louis de Funès am Theater spielen würde
.
Ab Mai 1975 war der Drehbeginn für „Le crocodile“ unter der Regie von Oury geplant. Louis erholte sich nach 198 Aufführungen des „Valse...“ noch auf Schloss Clermont, als ihn kurz hintereinander zwei Herzinfarkte ereilten.
Es schien zunächst vorbei zu sein mit seiner Karriere. „Le crocodile“ wurde abgesagt und nie gedreht.
Louis fühlte sich krank und von allen abgeschrieben, auch da keine Versicherung mehr während eines Filmdrehs für ihn zuständig sein wollte. Der Produzent Christian Fechner, der unbedingt einen Film mit Louis machen wollte, gab ihm schließlich wieder Kraft und mehr Lebensmut. Fechner ging das Risiko ein, mit nur 2 Wochen Versicherungszusage einen Film („L’aile ou la cuisse“) mit Louis zu drehen. Dabei war ständig ein Kardiologe am Set und man achtete darauf, dass Louis eine ruhigere Rolle erhielt - ohne seine gewohnten Wutanfälle, dafür mit viel Gelegenheit, seine einmalige Mimik und Gestik einzusetzen.
Louis de Funès, ein Bewunderer Pierre Richards, war zunächst enttäuscht, dass dieser andere Verpflichtungen hatte und nicht sein Partner sein konnte. Stattdessen spielte kongenial Coluche an Louis` Seite. Beide äußerten gegenseitige Anerkennung und harmonierten sehr gut.
Man sah Louis in diesem Film seine gesundheitliche Belastung an, dennoch lief er zur Höchstform auf.
Auch danach drehte Louis weitere Filme, allerdings in weit größeren Abständen als vor seinen Infarkten; Genauso verzichtete er auf weitere Theaterrollen.
Er verwirklichte sich 1979 einen Traum, indem er „L’avare“ nach einem Theaterstück von Molière verfilmte. Dies war der einzige Film, in dem er neben Jean Girault auch Regisseur war; Zudem schrieb er, wie schon bei mehreren Filmen zuvor, am Drehbuch mit.
Im Jahr darauf bekam Louis de Funès von Jerry Lewis einen Ehren-César für sein Lebenswerk überreicht.
1982 spielte Louis in seinem letzten Film, „Le Gendarme et les gendarmettes“. Während der Dreharbeiten starb sein Freund, der Regisseur Girault, an einem Herzinfarkt. Tony Aboyantz, bis dahin Co-Regisseur der Gendarmen-Filme, brachte den Film zu Ende. Louis, schon nicht glücklich über die rassistischen Untertöne des Filmes, beendete halbherzig die Dreharbeiten; Er fühlte sich nicht mehr stark genug, so wie früher einzugreifen und eigene Ideen einzubringen.
Im Januar 1983 bekam Louis eine Erkältung, er fühlte sich nicht wohl und versuchte sich zu schonen so gut es ging.
Am 27. Januar starb Louis de Funès in Nantes wenige Stunden nach seinem 3. Herzinfarkt an dessen Folgen.
Er wurde zunächst in Le Cellier beerdigt, von dort aber nach einigen Monaten umgebettet nach Allonnes, Dep. Maine-et-Loire in die Gruft der Familie seiner Frau.
Louis de Funès blieb der größte und erfolgreichste französische Komiker: Er schaffte es, alleine in den Jahren 1964-79 mit sieben seiner Filme auf Platz 1 der Jahresstatistiken der meistbesuchten Filme in Frankreich zu landen.
Einige Filmprojekte, die noch geplant waren, wurden leider nie gedreht (etwa eine siebte Folge der Gendarmenreihe, "Le gendarme et l'empereur à Waterloo" über eine Zeitreise der Gendarmen und ein Treffen mit Napoleon) oder wurden ohne Louis de Funès gedreht, wie der Film „Papy fait de la résistance“ von 1983. Ursprünglich sollte hier Louis den Papy spielen (sein Freund Michel Galabru übernahm schließlich die Rolle). Der Film wurde Louis gewidmet.
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